Unzählige Formate an Castingshows flimmern Woche für Woche über den Bildschirm und locken nicht selten mehrere Millionen Zuschauer vor das Fernsehgerät, die sich durch den Wettkampf um den vermeintlich besten Sänger prächtig unterhalten fühlen. Gerade deshalb sollten sich Castingshows die Frage gefallen lassen, ob die Musik in diesen Formaten im Vordergrund steht oder doch der Unterhaltung durch Hintergrundberichte über die Kandidaten weichen muss.
Die Prophezeiung des Ausnahmemusikers
In einem sind alle Castingshows gleich: Sie alle prophezeien, dass in ihrer Show der beste Sänger des Lands gefunden wird. Dabei wird natürlich immer die Qualität der Kandidaten hervorgehoben, die durch anerkannte Kenner der Musikindustrie in Form einer Jury ausgemacht werden. Die Jury ist dabei in der Regel aus bekannten Musikern, Produzenten oder Kennern des Showbusiness zusammengesetzt. Und sicherlich haben viele Teilnehmer der Castingshows eine hervorragende Stimme, doch die Vergangenheit hat gezeigt, dass kaum ein Gewinner einer Castingshow über den Beginn der folgenden Staffel hinaus ein weiteres verkaufsstarkes Album in den Plattenläden vorweisen konnte. Wor die Gründe dafür liegen, bleibt dabei verborgen. Es lässt sich nur vermuten, dass durch eine neue Staffel einer Castingshow das öffentliche Interesse am vorherigen Gewinner sinkt bzw. von ihm abgelenkt wird und somit kaum noch Geld für ein aufwendig produziertes und vermarktetes Album zur Verfügung gestellt wird. Schließlich sind in der nächsten Staffel wieder neue Geschichten über das Privatleben zu erzählen und es müssen interessante Kandidaten in den großen Boulevardblättern platziert werden, um die Quoten zu steigern. Dabei scheint kein Platz mehr für vergangene Gewinner zu sein.
Vergessene Sieger gegen unvergessliche schräge Vögel
Auch wenn die Sieger der Castingshows in der Regel bereits nach wenigen Monaten in der Versenkung verschwinden, bleiben doch häufig die skurrilen und schrägen Teilnehmer, die es nicht einmal über die erste Runde hinaus schaffen, dafür aber lange in Erinnerung der Zuschauer bleiben. Wird irgendwo über Castingshows gesprochen, erinnert man sich schnell an peinliche Ausrutscher, selbst auserkorene Superstars mit mangelndem Talent und schräge Vögel, die einfach nur nach ein paar Minuten Scheinwerferlicht streben. Den Unbegabten schenken die Zuschauer ein Kopfschütteln und Belustigung und nicht wenige Zuschauer schalten gerade wegen diesen unmusikalischen Teilnehmern überhaupt ein, was sich gerade darin verdeutlicht, dass die Sendungen mit den meisten der unmusikalischen und skurrilen Bewerber, die höchsten Quoten zu verzeichnen haben. Doch auch hier wird das Privatleben der aussichtsreichen Kandidaten nahezu ausgeschlachtet. So sollte man bei nüchterner Betrachtung von Castingshows zu dem Entschluss kommen, dass diese Sendungen weniger daran interessiert sind, ein begnadetes Talent zu entdecken, sondern Unterhaltung in den Vordergrund stellen, um Einschaltquoten zu erzielen, die sich durch Werbeeinnahmen in bares Geld ummünzen lassen.
Bilderquelle: picpics/automatika – fotolia